Wurde früher die Güte eines Fotografen und seiner Kamera daran gemessen, ob sie in der Lage waren, ein scharfes, detailgetreues Abbild der Wirklichkeit zu produzieren, ist heute das etwas elegisch ätherisch anmutende Bokeh, vorzugsweise in der Portraitfotografie schwer in Mode.
Zeigte früher der Hobbyfotograf stolz sein Alpenpanorama mit der auf der weit entfernten Kirchturmuhr noch gut ablesbaren Uhrzeit, so werden heute, nicht minder stolz, Fotos mit bestechender Unschärfe bei offener Blende präsentiert, mit selektiver Schärfe gern auf großen verträumten Augen kindlich-hilflos wirkender Geschöpfe.
Die Sicherheit und Kontrolle versprechenden Zeiten von Technik und Hygiene sind vorbei, aus vermeintlicher Sicherheit ist latente Bedrohung geworden, saubere Atomenergie ist nicht mehr sauber und in den Kliniken tummeln sich längst ubiquitär multiresistente Keime, die auf unsere antibiotischen Wunderwaffen scheißen.
Dies alles ist nicht mehr kernig zukunftsweisend, dies alles ist bedrohlich. So bedrohlich, dass eine kollektive Regression um sich zu greifen scheint. Die ewige Jugend spielt im Sandkasten ihrer erlernten Hilflosigkeit, die infantilisierte Barbie versteckt sich hinter einem mit seiner Identität hadernden Ken. Alle Bedrohlichkeit wird zugunsten einer leeren Fassade entkernt, über den Tod wird geredet, „gelebt“ wird er nicht, Sexualität wird plakativ präsentiert bei – schenkt man entsprechenden statistischen Erhebungen Glauben – gleichzeitiger massiver Reduktion wirklicher Sexualkontakte, ja selbst unsere Hunde züchten wir zu bis zur Enthirnung im Welpenstadium verharrenden Plüschteddies.
Die kollektive Infantilisierung schreitet metastasierend voran….
…aber ich schweife ab.
Eigentlich wollte ich ja nur sagen, dass es dieses Bokeh-Objektiv jetzt auch mit Pentax-Bajonett gibt.
