Rieselfeld

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Mai 202011
 
Ein Baum im Rieselfeld

Ein Baum im Rieselfeld

„Ich bin dreizehn Jahre alt. Ich bin ein Meßgerät, wie alle Menschen, ein Echolot, das durch die Welt läuft und versucht alles aufzuschreiben und nachzumessen. Also Fledermaus.“ (Alexander Kluge, Die Kunst Unterschiede zu machen, Frankfurt 2003, S. 66)

Unter der Überschrift „Zurück zum Urvertrauen“ erzählt Kluge immer wieder eingestreut von kleinen Erfahrungen aus (seinem) Leben. Das sind die Dinge, die man nicht gewerblich nutzen, Sachen, die man nicht kaufen kann. Kommunikation, die fester bindet als jede Überredung oder Beschwatzung. Aber der Nachteil dieser Vertrauenfragen: Sie lassen sich nicht formalisieren und in Lehrwerken beschreiben. Das ist sehr misslich nur für diejenigen, denen auch (ur-)Vertrauen nicht mehr heilig ist. Aber es ist auch tragisch für diejenigen, die keine Zeit und keinen Raum mehr finden, damit sich solcherlei bilden lässt.

Das Rieselfeld regeneriert sich mit der Zeit. Langsam. Es ist soweit ich es erkennen kann: nutzlos. Der Baum dort ist auch nutzlos – vielleicht im biologischen Sinne nicht, er arbeitet jedenfalls nicht für sich und andere. Warum aber ist die Landschaft an diesem Ort so ruhig, so beruhigend, so angstlos?